Art 5

Kunst und Demokratie
22. Juli - 01. November 2021
Halle der PLATFORM
und weitere Orte


In seiner Ausstellungsreihe „Art 5“ bringt der Art5 e.V. in der PLATFORM, im super+CENTERCOURT sowie im öffentlichen Raum Münchens künstlerische Positionen und deren möglichen Interdependenzen zwischen demokratischen Prozessen und Kunstfreiheit in den Fokus. Der Ausstellungstitel „Art 5“ ergibt sich durch seine doppelte Bedeutung als Abkürzung des Artikel 5 im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und „art“ für Kunst. Ein Künstler*innengespräch, zwei kuratorische Führungen und zwei Podiumsdiskussionen adressieren Potenziale und Herausforderungen an der Schnittstelle von politischem und künstlerischem Handeln: Wo liegen Freiheiten, Möglichkeiten und Grenzen ästhetischer Praktiken und Ausdrucksformen für politische Realitäten? Welche Rolle haben Kunstwerke für Erinnerungskultur und Erinnerungspolitik in Asien, Deutschland und im globalen Kontext?

In der Halle der PLATFORM lenken Werke von fünf Künstler*innen aus Südkorea, Japan und Deutschland den Blick auf globale Entwicklungen: CHUNG Yongchang (KR/DE) befragt in großformatigen Portraits die Lebensumstände von Individuen vor dem Hintergrund repressiver Systeme, FUJII Hikaru (JP) entwickelt multimediale Tableaus, die Kunst als Möglichkeit aktiven gesellschaftlichen Handelns inszenieren, KIM Siyoung (KR/DE) untersucht in ihren Modellen szenisch-figürlich individuelle Verantwortung gegenüber tatsächlichen wie auch medial vermittelten, dokumentierten Zivilisationsbrüchen, LEE Dong-Hwan (KR) richtet druckgrafisch den Blick auf couragiertes, gefährdetes Vorgehen Einzelner gegen die Ohnmacht durch diktatorische Übermacht und NOH Suntag (KR) fotografiert dort, wo Regierung und Bürger*innen keinen Dialog mehr führen können oder wollen und Kontroversen in existentiellen Konflikten eskalieren.

Weitere Ausstellungsorte


04. – 11. Juli 2021
Villa Waldberta, Palmenhaus
Höhenbergstraße 25, 82340 Feldafing

Mit der Ausstellung Ausgang verarbeitet der Maler LEE Dong-Hwan (KR) mit asiatischer Tusche-Malerei und Kohlezeichnung aus einer dystopischen Perspektive heraus Themen wie menschliche Absurdität, Vorurteile, Krise und Verlust. Seine Bilder zeigen eine chaotische Welt und zeugen von der Hoffnung, einen Ausweg zu finden. Der Hintergrund seiner Symbolik ist die Geschichte Südkoreas seit dem letzten Jahrhundert und der Weg zur Demokratie. Diesem Thema widmet er sich in noch konkreterer Form in der Ausstellung „Art 5 – Kunst und Demokratie“, die von 21. Juli bis 15. September 2021 in der PLATFORM München gezeigt wird.

22. Juli – 15. September 2021
super+CENTERCOURT
Adalbertstraße 44, 80799 München

Die „Statue of Peace“ von KIM Seokyung & KIM Unsung (KR) thematisiert skulptural den gesellschaftlichen Umgang mit sexualisierter Gewalt im 2. Weltkrieg. Ihr Fokus liegt auf der Enttabuisierung durch transnationale Aufarbeitung.

14. – 23. September 2021
U-Bahnhof Aidenbachstraße
Ausgangsbereich in Richtung Aidenbachstraße

21. – 30. September
U-Bahn-Passage Odeonsplatz
Verbindung zwischen den U-Bahnlinien U3/6 und U4/5

27. September – 01. November 2021
Kultursäulen und Plakatflächen im Stadtraum

Die Öffentlichkeit begegnet einer Neuformulierung aller 30 Artikel der Erklärung der Menschenrechte. Dabei gleicht das Duo Libia Castro & Ólafur Ólafsson (ES/IS)  in ihrer „Partial Declaration of Human Wrongs“ die „universelle Utopie“ der Erklärung der Menschenrechte mit der Realität ab.

Kuratiert von
YOO Jae-Hyun, Lena von Geyso und Alexander Steig

In Zusammenarbeit mit
Dr. Christian Landspersky und Adam Langer

Art5 e. V. ist ein 2021 gegründeter gemeinnütziger Verein aus einem internationalen Zusammenschluss von Künstler*innen, Kurator*innen und Theoretiker*innen zur Förderung des kulturpolitischen Dialogs zwischen Europa und Asien. Art5 e. V. verfolgt das Ziel, eine beständige Plattform für Austausch, Entwicklung und Präsenz von transnationalen kulturellen Perspektiven und Projekten aufzubauen und zu unterstützen. www.art5.eu

Teilnehmende Künstler*innen:

Libia Castro & Ólafur Ólafsson, CHUNG Yongchang, FUJII Hikaru, KIM Seokyung & KIM Unsung, KIM Siyoung, LEE Dong-Hwan, NOH Suntag

Programm

Alle Veranstaltungen finden in den Räumlichkeiten der PLATFORM statt, soweit nicht anders vermerkt.

21.07.2021, 19:00 Uhr
Eröffnung mit CHUNG Yongchang, FUJII Hikaru, KIM Siyoung, LEE Dong-Hwan, NOH Suntag; Begrüßung und Einführung: Art5 e. V. und PLATFORM

22.07.2021, 19:00 Uhr
Künstler*innengespräch (Deutsch/Koreanisch) mit CHUNG Yongchang, LEE Dong-Hwan, KIM Siyoung und den Kurator*innen

23.07.2021, 17:00 Uhr
Kuratorische Führung in Anwesenheit der Künstler*innen und der Friedrich-Ebert-Stiftung Bayern | Büro München
Treffpunkt: super+CENTERCOURT, danach gemeinsam zur PLATFORM (Gesamtdauer 2,5h) auf 28 Personen begrenzt, Hier zur Anmeldung.

28.07.2021, 18:00 Uhr
Podiumsdiskussion (Deutsch/Koreanisch): Statue of Peace – Kunst und vergessene Erinnerung
Gäste: KIM Seokyung & KIM Unsung, YAJIMA Tsukasa (digitale Zuschaltung),  Dr. Regina Mühlhäuser; Übersetzung: HAN Nataly Jung-Hwa

11.09.2021, 17:00 Uhr
Kuratorische Führung
Treffpunkt: super+CENTERCOURT, danach gemeinsam zur PLATFORM (Gesamtdauer 2,5h)
Anmeldung über
Bitte beachten Sie, dass Sie zum Einlass einen Nachweis über Impfung, Genesung oder ein negatives Testergebnis vorzeigen müssen.
Die Teilnahme ist kostenlos.

15.09.2021, 19:00 Uhr, Halle der PLATFORM
Podiumsdiskussion (Deutsch/Englisch): Is the Artist More Powerful than the Politician? – Kunst und Aktivismus
Gäste: Libia Castro & Ólafur Ólafsson (digitale Zuschaltung), Prof. Dr. Sabeth Buchmann, Daniela Trochowski
Sie können entweder vor Ort an der Veranstaltung teilnehmen oder den Livestream online über diesen Link verfolgen: https://us06web.zoom.us/j/83742909930
Anmeldung für die Teilnahme vor Ort über
Bitte beachten Sie, dass Sie zum Einlass einen Nachweis über Impfung, Genesung oder ein negatives Testergebnis vorzeigen müssen.
Die Teilnahme ist kostenlos.

Detaillierte Information:

Podiumsdiskussion (Deutsch/Englisch): Is the Artist More Powerful than the Politician? – Kunst und Aktivismus

Die Podiumsdiskussion adressiert Potenziale und Herausforderungen an der Schnittstelle von politischem und künstlerischem Handeln. Wo liegen Freiheiten, Möglichkeiten und Grenzen ästhetischer Praktiken und Ausdrucksformen für politische Realitäten.

Ausgangspunkt des Podiumsgesprächs ist das Projekt „In Search of Magic – A Proposal for a New Constitution for the Republic of Iceland“ (Libia Castro & Ólafur Ólafsson, 2017 – fortlaufend) und die gleichnamige mehrstimmige Kunst- und Aktivist:innenperformance mit “The Magic Team”, das alle 114 Artikel der neuen Fassung der isländischen Verfassung zum Leben erweckt, die 2011 von einer gewählten Verfassungsversammlung/einem später ernannten Rat verfasst wurde. Die neue isländische Verfassung, auch „Crowdsourced Constitution“ genannt, war die Antwort der isländischen Bevölkerung auf die politische und wirtschaftliche Krise von 2008, um zu einer demokratischeren und sozial und ökologisch gerechteren Gesellschaft beizutragen.

Am 20. Oktober 2012 stimmte das Volk für die neue Verfassung, diese ist jedoch noch nicht vom isländischen Parlament ratifiziert worden. Die kollektive Performance fand am 3. Oktober 2020 im Rahmen des Programms „Worlds (Welten)“ des Reykjavik Arts Festival im Kunstmuseum Reykjavik, auf den Straßen des Stadtzentrums, vor dem Büro des Premierministers und auf dem Austurvöllur-Platz vor dem Parlament statt. Durch die Initiierung und Zusammenführung des „The Magic Team“, einem Kollektiv aus einem breiten Spektrum von Künstler:innen sowie Bürger:innen- und Umweltorganisationen für die neue Verfassung, arbeitet das Duo mit der Öffentlichkeit im Geiste der großen Bürgerbewegung zusammen und fordert eine offenere, aktivere und direktere Demokratie.

Prof. Dr. Sabeth Buchmann ist Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der bildenden Künste Wien. Forschungsschwerpunkt sind Praktiken der Probe und der Topos des Unfertigen in bildender Kunst, Film, Theater, Theorie und Politik.

Daniela Trochowski ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Vizepräsidentin des Humanistischen Verbands Berlin/Brandenburg. Die Diplom-Volkswirtin gehörte dem Parteivorstand der Partei DIE LINKE an und war bis Oktober 2019 Staatssekretärin im brandenburgischen Finanzministerium.

Podiumsdiskussion (Deutsch/Koreanisch): Statue of Peace – Kunst und vergessene Erinnerung (28.07.2021)

Die Friedensstatuen (Statues of Peace) von KIM Seokyung & KIM Unsung erinnern an die über 200.000 Mädchen und Frauen, denen das japanische Militär während des Asien-Pazifik-Krieges (1937–1945) im gesamten asiatisch-pazifischen Raum sexuelle Gewalt zufügte. Die stillen Mahnmale erscheinen seit 2011 in unterschiedlicher Form weltweit im Innen- und Außenraum und lösen lauten Widerspruch aus: Durch japanische Politiker*innen, Regierungsanhänger*innen und geschichtsrevisionistische Gruppen im In- und Ausland wird immer wieder versucht, die Aufstellung der figürlichen Skulptur zu verhindern oder diese entfernen zu lassen. Dieser Versuch der Leugnung ist kein spezifisches Problem der japanischen Regierung, sondern in fast allen Gesellschaften ist die Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt ein Tabu. Die Vorstöße der Betroffenen das Thema öffentlich zu machen sind ein wichtiger Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements und richten sich auch gegen beständige patriarchale Strukturen. Ebenso wie koreanische Aktivist*innen die Friedensstatue benutzen, um Druck auf die japanische Regierung auszuüben, mahnt die Statue of Peace auch die koreanische Regierung an, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, die Konflikte gemeinsam mit den Betroffenen zu lösen.

Die Podiumsdiskussion befragt künstlerische, kuratorische und politische Diskurse der Skulptur und beleuchtet die Rolle einer „Statue of Peace“ für Erinnerungskultur und Erinnerungspolitik von sexualisierter Gewalt im 2. Weltkrieg in Japan, Südkorea und Deutschland und in einem globalen Kontext.

YAJIMA Tsukasa ist japanischer Fotograf, Journalist und Aktivist. 2003-2006 entwickelte YAJIMA in Südkorea das Fotoprojekt Trostfrauen im House of Sharing, einem Pflegeheim für überlebende sog. „Trostfrauen/comfort women“ in Gwangju, Südkorea, wo er seit 2019 arbeitet.

Dr. Regina Mühlhäuser ist Historikerin. Gegenwärtig arbeitet sie am Hamburger Institut für Sozialforschung u. a. zu den Forschungsschwerpunkten Sexuelle Gewalt im Krieg, Gender und Sexualität im Nationalsozialismus sowie Erinnerungspolitik in Europa und Asien.

© NOH Suntag – State of Emergency, 2006
Ausstellungsansicht "Art5" in der Halle der PLATFORM. Man sieht im Vordergund ein Bild einer Menschenmasse während eine Demonstartion in Südkorea vo nNOH Suntag. An der rechten Wand hängen Holzschnitte von Lee Dong-Hwan und an der rechten Wand im Hintergund werden Porträts von Chung Yongchang gezeigt.
Hier wird ein Kunstwerk von Siyoung Kim gezeigt. In einer Raumecke auf einer Blutlache aus Plastik liegen ein Hufen nackter Stoffpuppen
IM Vordergund ist ein Werk von Kim Siyoung zu sehen. Es stellt aus kleinen Stoffpuppen eine Mordszene dar. Im Hintergurnd hängen zwei Portäts von Chung Yongchang an der Wand
Man scheut in einen Raum in dem Das Video von Fuji Hikaru , mit dem Namen "The primary Fact" gezeigt wird
Das Kuratorenteam Alexander Steig, Lena von Geyso, Jae-Hyun Yoo und Sophie Charlotte Bombeck vom Superplus Centercourt (v. ln. r.) stehen in der Halle vor den Fotografien von NOH Suntag
Publikum im Ausstellungsraum
Menschen unterhalten sich zwischen den Kunstwerken
Zwischen den Fotografien von NOH Suntag stehen Menschen.
Projektleiter Christian Landspersky eröffnet mit dem Kuratorenteam zusammen die Ausstellung.