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Quo vadis digital art? Über Kunst und digitale Welten

Oktober. Die erste Hysterie über Pokemon GO hat sich wieder gelegt und man kann sich wieder anderen digitalen Dingen zuwenden. Dennoch scheint es, dass die digitale Kunst wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Die Biennale in Berlin ist in aller Munde und Zeitschriften wie zuletzt das Kunstforum reden über die Vernetzung zwischen Kunst und digitalen Medien.

Deren Vorläufer freilich liegen jedoch länger zurück, als man denkt. Wenn man einen Startpunkt der Medienkunst festlegen will, so könnte man die legendäre Ausstellung von Nam June Paik Exposition of Music – Electronic Television von 1963 in Wuppertal nehmen. Dort stellte zum ersten Mal ein Künstler Fernsehbilder (Video) aus und setzte diese mit Musik gleich, indem er stark verfremdete Klaviere austellte. Kurz danach entschied sich Paik endgültig nach New York zu ziehen, kam mit den Gedanken eines Marshall McLuhan in Berührung und der Rest ist Geschichte.

Seitdem hat sich das Feld der digitalen Kunst oder Medienkunst sehr geweitet. Der von Paik und McLuhan prophezeite Electronic Superhighway hat schon längst Einzug in unsere mediale Welt gehalten, die Bilderflut ist zum Alltag geworden und die frühere Spielwiese Internet hat sich weitestgehend professionalisiert und ästhetisiert. Nach Paiks Good Morning Mr. Orwell und Elvis Presleys ersten weltweiten Übertragung eines Konzertes, ist es längst alltäglich geworden, dass Bilder und Aufnahmen von Ausstellungen, Werken, Performances usw. immer zeitgleicher im Netz auftauchen und weltweit abgerufen werden können. Im Laufe der Jahre haben sich gewisse Ästhetiken heraus gebildet die parallel nebeneinander existierten bevor sich das Netz professionalisierte. Eine Reminiszenz an das trashige, punkige Design vieler Webseiten im Zeitalter des myspace in den frühen 2000er zeigt der sogenannte webbrutalsimus, der noch gehegt wird und sogar ein kleines Revival erlebt. Daneben gibt es noch die geleckte und genormte Ästhetik von Instagram, die zwar in die Jahre gekommen scheint, aber dennoch von den meisten gemocht, rezipiert und weiterverarbeitet wird. Wie Anika Meier schreibt, vereinheitlichen gerade solche Plattformen den weltweiten Mainstreamgeschmack. Wo noch Anfang des Jahrhunderts viele unterschiedliche Stile und Programmatiken nebeneinander existierten, so droht heutzutage dieser Einheitsstil alles zu verschlucken. Für Kyle Chayka ist diese „harmonization of Style“ sehr gut anhand Foursquare und AirBnB zu erkennen. Diese Plattformen zeigen uns die Lieblingsplätze und die Wohnungen der Nutzer_innen, die dann weltweit kopiert werden. Dadurch bildet sich eine globale Ästhetik heraus, an die sich die lokalen Orte immer mehr angleichen. Und Douglas Coupland macht sich auf e-flux sogar Sorgen, dass die technischen Neuerungen die Entwicklung in der Kunst komplett zum Stillstand gebracht haben. Neben den oben genannten Phänomenen gibt es aber auch eine äußerst vitale Szene an Künstlern_innen die sich mit Freuden in neue Techniken stürzen und mitnichten das immer gleiche schaffen. Festivals wie das Ars electronica Festival in Linz und die Transmediale in Berlin, um die größten zu nennen, zeigen Jahr für Jahr eine Szene die weder stagniert oder eintönig wirkt, sondern im Gegenteil immer wieder Neues und Faszinierendes hervorbringt. So untersuchen Künstler_innen immer wieder die neuesten Techniken, loten die Grenzen des Machbaren aus und kollaborieren mit großen wissenschaftlichen Institutionen, wie mit dem CERN, die eigens verschiedene residency Programme eingerichtet haben.

Flyer zu unserer Veranstaltung am 12. Oktober 2016

Flyer zu unserer Veranstaltung am 12. Oktober 2016

Da wollen wir anknüpfen. In Kurzvorträgen sprechen wir mit Anika Meier und Tanja Praske über die Kunst im Netz und die Herausforderung der Kunstgeschichte gegenüber diesem sich schnell wandelnden Feld. Dabei werden sie uns this ain’t art school vorstellen, welches sich der Instagramästhetik annimmt und diese hinterfragt und die Rolle der sozialen Medien in der Kunstvermittlung und deren Nutzen in der Museumsarbeit besprechen. Dietmar Lupfer spricht über seine multimedialen Projekte, die an der Schnittstelle zwischen Digital und Analog, Virtuell und Reell, Mensch und Maschine liegen. Die Künstler leo&bjørn, Daniel Kluge und Mirko Hecktor sowie Patrik Thomas als Teil des Kollektivs ABOUT REALITY werden uns ihre neuesten Arbeiten zeigen und Teile von fortlaufenden Projekten präsentieren.

Damit zeigen wir in einem kleinen Querschnitt was für neue Möglichkeiten innerhalb der Kunst entstehen und thematisieren die Herausforderungen vor denen die Künstler_innen, Produzent_innen und Theoretiker_innen stehen und vermitteln  eine Vorstellung von den faszinierenden Welten, die sich in der Verbindung von Kunst und Technik auftun.

 

Foto: Alescha T. Birkenholz für PLATFORM

Geschrieben am 11.10.2016 von Matthieu Chladek
Themenbereich(e): Blog, Schlaglicht
Tag(s): ,

2 Kommentare

  1. Anke von Heyl

    Super Veranstaltung! Bitte mehr davon. Auch mit diesem interdisziplinären Charakter! Schön, dass man das auf Twitter verfolgen konnte!

    Liebe Grüße von der Kulturtussi

    • Kunst

      Vielen Dank für deinen Kommentar!
      die Nachbereitung der Veranstaltung ist auf dem Weg und wird heute oder Morgen hochgeladen!

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