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Made in Munich: Sophie Schmidt

Sophie Schmidt, Erster Fortbewegungsversuch, 2013, Ubahngalerie.

„o so so viel vieh vieh sophie…“
Die Künstlerin Sophie Schmidt spielt andere Modelle des menschlichen Körpers durch und experimentiert in ihren Fortbewegungsmaschinen mit neuen Daseinsformen. In unserem Interview spricht sie u.a. über körperliche Grenzerfahrungen, ihren ersten Museumsankauf und Träume mit Käfern. „Fortbewegungsversuche sind mir auf den Leib geschrieben. Dafür baue ich mir Hilfsobjekte. Es sind körperliche und seelische Prothesen (…).“ (Sophie Schmidt)

Für die Künstlerin Sophie Schmidt ist die „Körperhaltung gleich einer Haltung zur Welt“. Wenn wir es genau betrachten, ist unsere Anatomie in ihrer vertikalen Ausrichtung im Vergleich zu anderen Lebewesen eher gleichförmig. Der Kopf oben, die Füße unten, nur beim Kopfstand nicht. Die Embryonalstellung als die erste Körperhaltung des Menschen, daran erinnern die Zeichnungen von Sophie, in denen tier- und pflanzenähnliche Wesen z.B. ihre Köpfe in Richtung Bauch strecken und so für die Dauer eines Winterschlafs verweilen! Brüste, Bäuche, Lungen, Flügel und Schnäbel – in Sophies Papierarbeiten und Tafelbildern wecken organische Formen Assoziationen an menschliche und insektenhafte Körperteile, die sie vermischt und neu kombiniert.

Den eigenen Körper setzt Sophie Schmidt ein, wenn Sie in ihren selbst gebauten Fortbewegungsmaschinen vor Publikum performt. Dann kriecht, verbiegt und schlängelt sie sich durch fragile und wackelige Gerätekonstruktionen, die sie aus gefundenen Objekten oder Gegenständen aus dem alltäglichen Gebrauch baut. Oft greift sie auf Tape, Plastiktüten, feingliedrige Stangen eines Regenschirms, Zigaretten, Eier oder Organisches aus der Natur zurück. Bevor sie die komplexen Maschinen, die an Marterwerkzeuge oder OP-Stühle erinnern, in Gang setzt, vollzieht Sophie Schmidt eine Art Ritus: Mit deutlicher und klarer Stimme schwört sie ihr Publikum auf das Kommende ein. In lautmalerischen Sätzen einer künstlichen Sprache beschwört sie die Idee einer Weitung und Verwandlung des Modells Mensch. Dafür begibt sie sich in das Innere ihrer gebauten Hüllen, in denen sich der Körper innerhalb einer Neuordnung zurechtfinden muss. Wie bei einer Häutung, muss die alte Hülle abgestoßen werden, um weiter wachsen zu können.
Die Milch tropft leise auf den Boden, irgendwo bläst noch ein Föhn – um sich aus seinen selbst gebauten Maschinen wieder zu befreien, müssen sie zerstört werden. Später entwickelt die Künstlerin aus den Überresten ihrer Fortbewegungsmaschinen neue Installationen.

Auch in Form von Neologismen wie „Bauchigungen“ oder „Tausendlüngler“ spiegelt sich eine mit den Konventionen brechende (Körper-) Haltung zur Welt. In ihren Zeichnungen und (Lehr-)Tafeln tauchen immer wieder eigene Texte auf, die wie eigenständige Arbeiten auf das Gezeigte reagieren. Der sachlich distanzierte Berichtstil ihrer Aphorismen erinnert an Erzählungen wie „Die Verwandlung“ von Franz Kafka, kürzere Sprachwitze an den österreichischen Schriftsteller Ernst Jandl.

Interview mit Sophie Schmidt:

Im Herbst ist sie in einer umfassenden Einzelausstellung in der Galerie Tanja Pol zu sehen. 2017 war Sophie Schmidt für den Förderpreis für jungen Kunst des Kunstclub13 nominiert. Für ihre Performance erhielt sie den Publikumspreis.

Sophie Schmidt (geb. 1986 in Starnberg) studierte Philosophie und Neuere Deutsche Literatur an der LMU sowie Kunst an der AdbK München bei Prof. Stephan Dillemuth und Prof. Stephan Huber. 2017 schloss sie ihr Studium mit dem Diplom als Meisterschülerin ab. Sophie Schmidt erhielt 2016 den Examenspreis der Stiftung Kunstakademie München sowie 2017 den Debütantenpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Forschung, Wissenschaft und Kunst. Von 2017 bis 2018 führt sie das Stipendium der Van Eyck Academie nach Maastricht. Ausstellungsbeteiligungen folgten u.a. in Berlin, Wien, Essen und Zürich.

Geschrieben am 08.06.2017 von Sophia Plaas
Themenbereich(e): Blog, Gespräch, Künstlergespräch, Made in Munich
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2 Kommentare

    • Kunst

      Vielen Dank, das freut uns! Am 9.11. eröffnet übrigens die erste große Einzelausstellung von Sophie Schmidt in der Galerie Tanja Pol.

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