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made in munich: ouishare


OuiShare
ist ein Think- und Be-Tank, der 2012 in Paris gegründet wurde.
Die Mission: Menschen, Organisationen und Ideen zu verknüpfen, um gemeinsam eine kollaborative Gesellschaft zu ermöglichen, die auf Fairness, Offenheit und Vertrauen gründet. Nur wenn ökonomische, politische und soziale Systeme auf diesen Werten aufbauen, ist es möglich, die komplexen Herausforderungen, die sich unserer Welt heute stellen, zu meistern. Inzwischen besteht OuiShare aus einem internationalen Netzwerk, mit Sitz in Paris, Barcelona, London, München, Montreal und Rio.

Auf unsere Fragen antworten Sarah Eisenmann und David Weingartner, zusammen bilden sie das Team von OuiShare München. Mit dem akademischen Hintergrund in Medienwirtschaft (B.A.) und Management & Entrepreneurship (M.A.) einerseits und mehrjähriger Erfahrung in der Unternehmensberatung andererseits, begleitet Sarah heute Organisationen als Digitization Strategist und Change Facilitator in ihrer Entwicklungsreise hin zu einer emergenten Organisation. Mit OuiShare arbeitet sie daran Themen der Kollaboration in Organisationen sowie in der Stadtgestaltung voranzutreiben, u.a. durch das Facilitieren von Events und Workshops. Als Mitgründerin des Online Magazins Digital Hills (digital-hills.de) schreibt und spricht sie über den Einfluss der Digitalisierung auf Organisationen, neue Konzepte und Perspektiven. David ist Berater und Sozialunternehmer. Unter dem Gedanken, durch die Anwendung von Peer-to-Peer Mechanismen, offener Innovation und kollaborativen Prozessen eine Transformation hin zu einer resilienten Gesellschaft aus Bürgern, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen zu erreichen, unterstützt er diesen Wandel durch Beratung, Training und als Facilitator. Um das Wissen auch zukünftigen Change-Agents zugänglich zu machen, lehrt er an Hochschulen und hält öffentliche Vorträge.

1. Das erste, das euch einfällt, wenn ihr an eine Plattform denkt?
Sarah: Ich denke an Verbindungen & Synergien und Vielfalt.
David: Ein Bahnhof: Orchestrator, Dreh- und Angelpunkt für Inputs und Outputs.

2. Ihr veranstaltet einen Workshop in der PLATFORM: Warum ist gerade die Zusammenarbeit mit der PLATFORM interessant für euch?
Beide: Es passt thematisch einfach wunderbar. In unserem Workshop bringen wir u.a. an, dass sich Organisationen in ihrem Selbstverständnis verändern müssen – sie sollten sich weniger als geschlossene Monokulturen verstehen, sondern vielmehr als offene Ökosysteme: Plattformen eben. Auf Basis von Plattformen sind Rollen nicht wie früher klar verteilt, wie bspw. Konsument & Produzent, sondern sind vielfältiger und können sich dynamisch ändern. Eine Plattform schafft die Verbindungen und ermöglicht Synergien unter diesen Akteuren. Wir haben zu dem Selbstverständnis einer Organisation als Plattform erst kürzlich ein Whitepaper auf Deutsch veröffentlicht (www.platformdesigntoolkit.com). Unserer Ansicht nach nimmt die PLATFORM München diese Aufgabe vor allem in der Kreativwirtschaft wahr, denn sie schafft Verbindungen zwischen Münchner Akteur_innen und bildet damit einen wichtigen Bestandteil im Ökosystem der Stadtgestaltung.

 
Workshop von OuiShare in der PLATFORM

3. Was bietet München, was andere Städte nicht haben?
Beide: Für uns liegt der besondere Charme an dem „etwas größer geratenen Dorf“ München zunächst einmal in dem nachbarschaftlichen Ambiente. Man findet als „Zuagroasda“ schnell Anschluss in den Subkulturen und ist innerhalb der Akteur_innen schnell gut vernetzt. Außerdem lieben wir an München seine Authentizität und Gemütlichkeit. Meetings an der Isar oder im Biergarten sind einfach unschlagbar.

4. OuiShare steht für Kollaborationen, Offenheit und Fairness. Hat München da noch Entwicklungspotenzial?
Beide: Ja, definitiv. An verschiedenen Ecken sehen wir derzeit Ansätze, die gemeinsam zu tollen Synergien führen können, wenn es denn eine institutionalisierte Plattform dafür gäbe. Diesen Raum wollen wir verstärkt schaffen und einen perspektivenreichen Diskurs über unsere Stadt anregen. Im Rahmen unseres Projekts „Kollaborative Stadt München“ bringen wir beispielsweise in interdisziplinären Workshops und Veranstaltungen wie „Designing A Wise City Apt For Sharing“ am 7.3.2017 die Vielfalt der Akteur_innen zusammen und schaffen den Nährboden für Gestaltung.

5. Welche Kooperationen in München waren bisher besonders wichtig für Euch und warum?
Beide: Auch wir selbst verstehen uns als Plattform und haben in unserem Ökosystem verschiedenste großartige Akteur_innen in unterschiedlichen Rollen. Die Mischung aus der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie Unternehmen, StartUps, Graswurzel-Bewegungen, öffentliche Einrichtungen sowie anderen Netzwerken gibt dabei die Würze. Natürlich nicht zu vergessen: die Kooperation mit der PLATFORM.

6. Was versteht man unter kollaborativen Ökonomien. Gibt es in München oder Umgebung ein Beispiel dafür?
Beide: Kollaborative Ökonomien definieren sich durch die Horizontalität von Netzwerken und der Teilhabe einer Gemeinschaft. Sie basieren auf einer Verteilung von Macht und damit Partizipation in Entscheidungen, während die Grenze zwischen Konsument_innen und Produzent_innen von Werten verschwimmt. Bekannt wurden kollaborative Ansätze vor allem durch das Konzept der Sharing Economy, das sich vor allem im Bereich kollaborativer Konsumformen bewegt. Kollaboration kann aber vielmehr als ein horizontaler Grundpfeiler gesehen werden, der Wirtschaft und Gesellschaft beeinflussen und transformieren kann.
Beispiele gibt es einige und sie fangen auch schon oft im Kleinen an. Sie reichen von Konzepten der Kreislaufwirtschaft, über partizipative Ansätze in Organisationen und Steuerung, dezentralem und selbstorganisiertem Arbeiten oder auch (plattformbasierten) Geschäftsmodellen, die auf Kollaboration beruhen.

7. An was arbeitet ihr gerade?
Beide: Wie im globalen Netzwerk findet unsere Arbeit auf unterschiedlichen Ebenen statt: Wir tragen zum einen zur Entwicklung und Verbreitung der Wissensalmende bei (z.B. durch Forschung, Analysen und Events), wollen diese aber auch umsetzen und setzen dieses Wissen in konkreten Projekten um. Hier in München dreht sich das derzeit vor allem um zwei Themen: partizipative Stadtgestaltung und Organisationsdesign. Über unser Projekt „Kollaborative Stadt München“ haben wir ja bereits berichtet. Was das Thema Organisationsdesign angeht, arbeiten wir derzeit mit einem internationalen Team vor allem an dem Thema Organisation als Plattform (www.platformdesigntoolkit.com) und bieten dazu in München auch schon bald erste Masterclasses an. Darüber hinaus versuchen wir unser Wissen aus den Experimenten als dezentrale Organisation für Unternehmen und andere Organisationen zugänglich zu machen, weshalb wir das Format „Betriebssysteme für emergente Organisationen“ geschaffen haben.

8. Für was braucht es Plattformen?
Beide: Wir haben wohl so viele Ressourcen wie nie in der Menschheitsgeschichte zur Verfügung. Was es heute braucht, sind Koordinator_innen und Schnittstellen, die diese Ressourcen sinnvoll nutzbar machen und in einem Ökosystem verknüpfen und orchestrieren. Dafür braucht es gut gestaltete Plattformen. Zudem schaffen Plattformen ein neues Miteinander, das auf Offenheit beruht und gemeinsame Kreationsprozesse erlaubt.

9. Auf welche drei Dinge/Tools wollte ihr in der Zukunft auf keinen Fall verzichten?
Sarah: Team-Retrospektiven, Check-Ins und Check-Outs bei Meetings, noisli.com für „Deep Work Sessions“ quasi in der Natur.
David: Online-Kommunikation, Intuition, mein Opinel mit Korkenzieher.

10. Was bedeutet für euch der Begriff ‚sharen‘ und wie wird/ muss er sich weiterentwickeln?
David: Ich denke nicht, dass er sich weiterentwickeln muss. Anstatt zu versuchen, den Begriff neu zu interpretieren und gemäß der neuen Möglichkeiten entwickeln zu versuchen, können wir uns doch auf seine Urform besinnen: Ein positiver Wert, das reicht.
Sarah: Gerade bei OuiShare ist der Begriff „Sharing“ eng mit dem Begriff „Collaboration“ verbunden. Wenn wir in den letzten Jahren mit der Collaborative Economy vor allem über alternative Konsummodelle nachgedacht haben, muss sich die Idee der Kollaboration von reinen Konsumwelten entwickeln hin zum allgemeinen Selbstverständnis in der Wirtschaft: weg von geschlossenen Wirtschaftseinheiten hin zu Kollaboration auf Märkten und innerhalb von Organisationen. Das bringt neue Perspektiven auf Geschäftsmodelle, Organisationsmodelle, Leadership, Entscheidungsfindung, u.v.m.

11. Was sind eure persönlichen Visionen für die Zukunft?
Sarah: In meiner Vision verändern wir bestehende Systeme durch partizipatives Organisationsdesign von innen. Dafür gestalten wir mit unseren Organisationen Räume für Emergenz, in denen Menschen sich reflektiert begegnen, in der man sich in der persönlichen und kollektiven Weiterentwicklung gegenseitig fördert, (Entscheidungs-)Macht dezentral verteilt ist und qualitative Werte das Leitbild prägen.
David: Eine Gesellschaft, in der die Möglichkeit zur Selbstentfaltung nicht vom Zugang zu Ressourcen abhängig ist.

 

                
Sarah Eisenmann (Foto: Nico Gees)       David Weingartner (Foto: Jenni Ottilie Keppler)

 

Fotos: Alexandra Yepes

 

Geschrieben am 16.03.2017 von Mira Sacher
Themenbereich(e): Blog, Made in Munich
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